Geschichte der Kartoffel

Von Südamerika nach Europa

In den Anden Südamerikas kultivierten die einheimischen Völker Kartoffeln in zahlreichen Sorten bereits seit Jahrhunderten. Die Termine der meisten religiösen Feste der Inka entsprachen im Kalender den Pflanz- und Erntezeitpunkten dieser Erdfrucht. Die angebauten Sorten waren bereits hoch entwickelt, den verschiedensten Anbaulagen und unterschiedlichen Verwendungszwecken angepasst und weit entfernt von den Urformen, wie sie von der Natur hervorgebracht wurden. In den kargen Bergen war die „papa“ die Hauptnahrung der Einheimischen. In Peru lässt sich die Kartoffel in bis zu viertausend Meter Höhe anbauen, dort wo Mais nur noch in den günstigsten, frostfreien Lagen gedeihen kann.

           

Die Entdeckung der Kartoffel durch die Spanier

1532: Im Verlauf der Eroberungskampagne des Inkareiches (1531–1536) stieß der spanische Conquistador Francisco Pizarro bis zu den Anden, dem Areal der Kartoffel, vor. Einen konkreten Beweis, dass Pizzaro sich neben Gold auch für die Kartoffel interessiert hat, gibt es nicht.

1536: Eine von Gonzalo Jiménez de Quesada in die Hochebene von Kolumbien geführte Expedition lernte im Jahre 1537 in dem Dorf Sorocotá (in der heutigen Provinz Vélez) die Kartoffel kennen. Die Kunde von diesem ersten Kontakt mit der Kartoffel wurde 1601 in einem Manuskript von Juan de Castellanos festgehalten, das aber erst im 19. Jh. veröffentlicht wurde.

1552: Francisco López de Gómara machte in seiner Historia general de las Indias als erster die Existenz der Kartoffel publik. In diesem Werk berichtet er, der selbst nie in Amerika war, dass die Einheimischen der Collao Hochebene (Altiplano, Titicacasee) sich von Mais und papas (Kartoffeln) ernähren und „hundert und mehr Jahre alt” werden.

1553: Pedro Cieza de Léon, ein Augenzeuge, der weite Teile der Anden gegen Ende der 1530er und im Laufe der 1540er Jahren durchquert hatte und dabei des Öfteren auf die Kartoffel gestoßen war, berichtet in seiner Chronik von Peru (1553), wie die Kartoffel in der Gegend von Quito verwendet wurde: gekocht und dann verspeist, oder durch Gefriertrocknen zu chuño verarbeitet und haltbar gemacht.

            Aus Peru über die Kanaren nach Spanien

Um 1562: Auf ihrem Weg von Südamerika nach Spanien machte die Kartoffel Zwischenstation auf den (spanischen) Kanarischen Inseln. Dies weiß man, weil im November 1567 drei Fässer, die Kartoffeln, Orangen und grüne Zitronen enthielten, von Gran Canaria nach Antwerpen, und im Jahre 1574 zwei Fässer mit Kartoffeln von Teneriffa via Gran Canaria nach Rouen verschifft wurden. Geht man davon aus, dass mindestens fünf Jahre nötig waren, um so viele Kartoffeln zu erhalten, dass sie zum Exportartikel werden konnten, so fand die Einbürgerung der Pflanze auf den Kanaren spätestens 1562 statt.

Um 1570: Der früheste Beleg dafür, dass die Kartoffel Spanien erreicht hat, findet sich in den Büchern des Hospital de la Sangre in Sevilla, das im Jahre 1573 Kartoffeln eingekauft hat. Man nimmt an, dass die Kartoffel Spanien spätestens 1570 und frühestens 1564/65 erreicht hat, da ansonsten der Botaniker Clusius, der das Land 1564 auf der Suche nach neuen Pflanzen bereiste, sie wohl bemerkt hätte. Von Spanien aus gelangte die Kartoffel nach Italien und breitete sich dann langsam          auf dem europäischen Festland aus.

            England und Irland

Auf die britischen Inseln soll die Kartoffel ohne den Umweg über Spanien gelangt sein. Wer die Kartoffel dorthin gebracht hat, ist unbekannt. Francis Drake war es jedenfalls nicht, wahrscheinlich auch nicht Walter Raleigh, auch nicht Thomas Harriot, Namen, die immer wieder in diesem Zusammenhang genannt werden.

Historisch belegt ist, dass die Kartoffel spätestens 1596 in England angekommen war, denn in dem Jahr erschien in London der Katalog der Pflanzen, welche der Botaniker John Gerard in seinem Garten in Holborn züchtete, und darin kam auch die Kartoffel vor.

In Irland anbelangt hält man vor allem in der Gegend von Cork daran fest, die Kartoffel verdanke man Walter Raleigh. Nach einer anderen Theorie sollen bei der Plünderung der an der Küste gestrandeten Wracks der von Drake 1588 besiegten spanischen Armada auch zur Verpflegung der Mannschaft mitgeführte Kartoffeln erbeutet worden sein. Tatsächlich scheint die Kartoffel zwischen 1586 und 1588 in Irland angekommen zu sein. Ihr Anbau ist ab 1606 nachgewiesen, und noch vor dem Ende des 17. Jahrhunderts hatte sie sich zum Grundnahrungsmittel der Iren entwickelt.

            Botanische Werke

Neben Gerards oben erwähntem Katalog erschien im Jahre 1596 der Phytopinax des Basler Botanikers Gaspard Bauhin, der in diesem Werk eine der ersten Beschreibungen der Kartoffel geliefert und ihr den botanischen Namen Solanum tuberosum gegeben hat. Bauhin schreibt, er habe von dem berühmten Dr. Laurentius Scholtz (Scholz), in dessen Garten die Kartoffel wachse, [im Jahre 1590] eine Zeichnung dieser Pflanze erhalten, auf welcher jedoch weder die Blüten noch die Knollen dargestellt seien. Scholz soll bereits im Herbste 1587 in seinem Garten zu Breslau die Kartoffel angebaut haben.

Im Dezember 1597 publizierte Gerard sein Herball (Kräuterbuch), in dem er der Kartoffel ein ganzes Kapitel widmet

Im Jahre 1601 erschien in Antwerpen das Buch Rariorum Plantarum Historia (Naturgeschichte seltener Pflanzen) von Carolus Clusius (Charles de l’Écluse) mit einer Beschreibung und einer Abbildung der Kartoffel. Im Januar 1588 hatte er seinen ersten Kontakt mit der Kartoffel, als ihm Philippe de Sivry, der Gouverneur von Mons (Belgien), zwei Knollen als Geschenk zukommen ließ. De Sivry hatte seine Kartoffeln im Vorjahr von einem Freund des päpstlichen Legaten in Belgien unter dem Namen Taratoufflo erhalten. Clusius lebte Anfang 1588 noch in Wien, zog dann aber im Laufe desselben Jahres nach Frankfurt, wo er die Knollen in seinem Garten anpflanzte. Ob die Kartoffel dann wirklich von dort aus Deutschland eroberte und in die Schweiz sowie nach Frankreich (Franche-Comté, Dauphiné, Vivarais) vordrang, wie dies behauptet wurde, ist unklar. Jedenfalls kann man davon ausgehen, dass es um das Jahr 1600 in den meisten europäischen Ländern Botaniker oder Liebhaber gab, welche die Kartoffel als kostbare Rarität in ihren eigenen Gärten oder jenen ihrer vornehmen und reichen Dienstherren züchteten.

 

 

Kartoffelblüte


Das Verkosten der oberirdischen Früchte endete oft mit Bauchschmerzen oder Vergiftungserscheinungen, und so entstanden bald zahlreiche Vorurteile gegenüber dieser schön blühenden Pflanze aus Übersee.

Es gibt viele auch widersprüchliche Geschichten und Anekdoten, wie die Kartoffel in Europa zur Agrarfrucht wurde. Die zeitgenössischen Berichte sind sehr ungenau, wurde doch die Kartoffel von damaligen Berichterstattern oft mit Süßkartoffel und vor allem Topinambur verwechselt. Diese Bodenfrüchte haben zwar ein wenig Formähnlichkeit, sind aber biologisch nicht miteinander verwandt.

 

Verbreitung der Kartoffel im europäischen Raum

 König Friedrich II. begutachtet den Kartoffelanbau auf einer seiner Inspektionsreisen

Es dauerte einige Generationen, bis aus der botanischen Kostbarkeit eine Hauptnahrungsquelle der breiten Bevölkerung in Europa wurde. Viele Vorurteile und traditionsbedingte Hemmnisse standen ihr zu Beginn im Weg. Außerdem war ein Problem, dass alle ursprünglichen Wildkartoffeln für die Knollenbildung ausreichend lange Zeiten nächtlicher Dunkelheit („Nachtschatten“) benötigen. Unter den Bedingungen des europäischen Langtag-Sommers brachten sie deshalb nicht Knollen der Größe hervor, die man im ursprünglichen Verbreitungsgebiet nahe dem Äquator ernten konnte. Dieses Problem musste zunächst verstanden und durch entsprechende Pflanzenzüchtung behoben werden.

Auf Irland wurden Kartoffeln allerdings schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts angebaut, da sie die ideale Frucht für diese karge Insel zu sein schien. Ausbringung und Ernte waren auch ohne besondere Werkzeuge möglich, Wild und weidendes Vieh pflegten dem Kartoffelkraut keinen Schaden zuzufügen und man konnte auch auf schlechten und steinigen Böden und in steilen Hanglagen Kartoffeln anbauen. Der wichtigste Vorteil war der anderthalbfache Flächenertrag im Vergleich zum Anbau von Getreide. Zum Schluss war auch die häusliche Zubereitung viel einfacher als beim Getreide: Kartoffeln muss man weder dreschen noch mahlen, noch zu Brot backen. An dem bescheidenen Torffeuer, das die Hütten wärmte, wurden auch Kartoffeln gar gekocht. Irland war damals eine englische Kolonie, die Vieh und Getreide ins Mutterland exportieren musste. Die Kartoffeln blieben den Bauern oft als einzige Nahrungsquelle.

 

 

Kartoffeldenkmal südlich von Braunlage


Im Kloster Seitenstetten in Niederösterreich verfasste der Benediktinerabt Caspar Plautz ein Kochbuch mit Kartoffelrezepten, das 1621 in Linz erschien. Kartoffeln baute man in Bayern spätestens um 1647 in dem von den fränkischen Hohenzollern regierten Pilgramsreuth bei Rehau an, dann wieder 1649 im Berliner Lustgarten. Der Lustgarten war auf Weisung des „Großen Kurfürsten“ Friedrich Wilhelm von Brandenburg von seinem Hofgärtner Michael Hanff zusammen mit dem Hofbotanicus Johann Sigismund Elsholtz 1647 anstelle eines bereits im 16. Jahrhundert angelegten, aber nach dem Dreißigjährigen Krieg verwüsteten Nutz- und Küchengartens angelegt worden. Elsholtz bezeichnete in seiner Schrift „Flora marchica“ die Kartoffeln, die damals noch als Zierpflanzen angesehen wurden, als „Holländische Tartuffeln“ und schrieb in seinem „Diaeteticon“ über sie: „Diese Wurzeln wachsen von sich selbst in America / und denen nahe daran belegenen Inseln. Diese anmutige Wurzeln kommen selten zu uns Alsdan aber übergehen sie die liebligkeit der Castanien und der gemeinen Zuckerwurz gar weit / und wären wehrt / dass man sie auch bei uns zu ziehen vermöchte.“

Als Nahrungspflanze angebaut wurden Kartoffeln 1701 in der Waldensersiedlung Ötisheim-Schönenberg durch Pfarrer Henri Arnaud.

1747 begann Johann Georg von Langen südlich von Braunlage im Oberharz den Kartoffelanbau.

In Preußen sorgte Friedrich der Große für den großflächigen Anbau der Kartoffel. Die Devise des Alten Fritz war: "Kartoffel statt Trüffel!" Seine Propagandafeldzüge für die Kartoffeln sind kaum weniger bekannt als seine Kriegszüge. In beiden Fällen spielte die Armee eine wichtige Rolle. Es wird erzählt, er habe rund um Berlin die ersten Kartoffelfelder anlegen und von Soldaten bewachen lassen. Sie sollten aber nicht so genau hinschauen oder so tun als ob sie schliefen, damit die Bauern von der Kostbarkeit dieser Frucht überzeugt würden, denn auch in Preußen galt: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“. Die Bauern hätten dann, ganz im Sinne des Königs, diese Erdäpfel hinter dem Rücken der Soldaten geklaut und gekostet und schließlich selbst angebaut. Sicher ist, dass Friedrich der Kartoffel mit Verordnungen zum Durchbruch verhalf. So erließ er am 24. März 1756 eine Circular-Ordre, die den Kartoffelanbau anordnete: In dieser heißt es, an „sämtliche Land- und Steuer-Räthe, Magisträte und Beamte“ gerichtet, unter anderem:

„Es ist Uns in höchster Person in Unsern und anderen Provintzien die Anpflanzung der sogenannten Tartoffeln, als ein nützliches und so wohl für Menschen, als Vieh auf sehr vielfache Art dienliches Erd Gewächse, ernstlich anbefohlen.
Übrigens müßt ihr es beym bloßen Bekanntwerden der Instruction nicht bewenden, sondern durch die Land-Dragoner und andere Creißbediente Anfang May revidieren lassen, ob auch Fleiß bey der Anpflantzung gebraucht worden“.

In die Schweiz kam die Kartoffel wegen ihrer Blütenpracht zuerst als seltene Topfpflanze. Erst hundert Jahre später, am Anfang des achtzehnten Jahrhunderts, wurde sie als Speisekartoffel angebaut. Die Anbaubedingungen waren ähnlich wie im Ursprungsland Peru. Die Kartoffel wurde allerdings nicht bis in viertausend Meter Höhe wie in den südamerikanischen Anden angepflanzt, sondern höchstens bis knapp über der Waldgrenze bei etwa zweitausend Meter. Kartoffeln wurden dann rasch zur beliebten Volksspeise: Als Rösti fanden sie Einzug in die traditionelle Schweizer Küche.

Der aus dem Herzogtum Luxemburg (damals ein Teil der Österreichischen Niederlande) stammende „Erdäpfelpfarrer“ Johann Eberhard Jungblut steht im Rufe, im Jahre 1761 Kartoffeln aus seiner Heimat in Niederösterreich eingeführt zu haben. In Luxemburg selbst wurde die Kartoffel Anfang des 18. Jahrhunderts angepflanzt.

Unter Maria Theresia wurde der Anbau gefördert. So wurde er erstmal in Pyhrabruck, einem Ort in der Gemeinde Unserfrau-Altweitra, im Kaiserthum Österreich befohlen. Populär wurde die Kartoffel in Österreich aber erst während der Napoleonischen Kriegen an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.


In Schwedisch-Pommern verbreitete sich der Kartoffelanbau ab der Mitte des 18. Jahrhunderts. 1788 schrieb Thomas Heinrich Gadebusch darüber im 2. Teil seiner Schwedischpommerschen Staatskunde:

„Artoffeln werden seit einigen dreißig Jahren, und in den letztern sehr häufig, auch im Großen gebauet und ihr Anbau vermehret sich noch immer. Sie sind ein wahrer Seegen des Landes geworden, nur wäre zu wünschen, daß man sich häufiger um frische Saat bemühet.“

 

Hungersnöte

In den letzten Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren des Zweiten Weltkriegs wurden in Deutschland und Österreich zahlreiche öffentliche Grünanlagen umgenutzt, um darauf statt Blumen und Rosen Kartoffeln und anderes Gemüse anzubauen. Auch in der Schweiz wurden während der sogenannten Anbauschlachten auf jedem kultivierbaren Quadratmeter Land Kartoffeln angebaut.

 

Zukunftsperspektiven

An diese glorreiche Vergangenheit wollen wir Biobauern in der Region mit dem  Mühlviertler Granitlanderdäpfel anschließen.

Durchaus auch mit dem Bewusstsein, dass wir mit unseren Pflege und Lagermethoden, die wir auf strengsten biologischen Richtlinien zu bewältigen haben, nehmen wir geringere Erträge in Kauf, um den alt hergebrachten Mühlviertler Erdäpfel wieder am Markt zu positionieren.



Wir stellen den Granitland

Bio-Erdäpfelsalat vor!

 

Wir stellen Ihnen hier unsere patentierte Erdäpfel Klappverpackung vor, die wir in 2kg und 5kg anbieten!

2kg Klappverpackung


5kg Klappverpackung

Unsere Granitlanderdäpfel beim Wachstum am Feld von Franz Hauder. Feldstücksname „Point“